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Neues Trockenheits-Experiment gestartet

Das Klima verändert sich – und mit ihm der Wald. Doch wie hängen Trockenheit, neue Lichtverhältnisse und die Pflanzenvielfalt zusammen? Ein neues Experiment im Waldlabor soll Aufschluss geben. Es ist Teil einer europaweiten Studie.

Wer im Waldlabor nahe der Huberwiesenstrasse unterwegs ist, entdeckt vielleicht eine der Installationen, die an einen Unterschlupf erinnern. Es handelt sich um das neueste Forschungsprojekt im Waldlabor: Dächer aus Lamellen fangen einen Teil des Niederschlags ab und simulieren so Trockenheit. Das Projekt wird von der Universität Gent geleitet; Trägerin ist die Eidg. Forschungsanstalt WSL.

Interview mit Dr. Florian Zellweger

Umweltwissenschaftler Dr. Florian Zellweger von der WSL

Der Projektverantwortliche erklärt, warum das Trockenheits-Experiment jetzt wichtig ist und welche Erkenntnisse sich die Forschenden erhoffen.

Frage: Das Experiment trägt den Titel «Neue Lichtregime und Dürreeffekte auf die Pflanzenbiodiversität gemässigter Wälder». Worum geht es dabei?

Florian Zellweger: Wälder sind Hotspots der Biodiversität – und die grosse Mehrheit der Waldpflanzenarten kommt unter Baumkronen vor. Die europäischen Wälder erleben jedoch derzeit Dürren, wie sie seit mindestens 2000 Jahren nicht mehr aufgetreten sind. Das führt zu einer starken Öffnung des Kronendachs und zu neuen Lichtverhältnissen am Waldboden. Zu den Auswirkungen der Trockenheit auf den Unterwuchs kommen nun also auch neue Lichtverhältnisse hinzu. Zusammen dürfte das die Waldbiodiversität erheblich beeinflussen. Ziel des Projekts ist es, die Wechselwirkungen zwischen neuen Lichtverhältnissen und Trockenheit auf die Vielfalt und das Wachstum der Waldpflanzen zu untersuchen. Wir erwarten zum Beispiel starke Veränderungen der Pflanzenzusammensetzung. Wachstum und Vielfalt der Pflanzen dürften durch Trockenheit abnehmen. Diese negativen Effekte könnten aber auch von den Lichtverhältnissen abhängen, sodass die Auswirkungen von Trockenheit unter relativ dichten Baumkronen weniger stark ausfallen.

Das Experiment ist Teil einer europaweiten Studie. Wird an allen Standorten dasselbe untersucht – oder gibt es im Waldlabor eine spezifische Fragestellung?

Das Versuchsdesign ist an allen Standorten genau gleich. Dies ist wichtig, um anschliessend eine europaweite Antwort auf die Fragestellung liefern zu können. Insofern gibt es im Waldlabor keine separate Fragestellung.

Wie sieht das Versuchsdesign im Waldlabor aus?

Wie an jedem Standort haben wir auch im Waldlabor zwölf Parzellen eingerichtet: sechs unter offenen Baumkronen und sechs unter dichter Baumkronenbedeckung. Auf der Hälfte der Parzellen simulieren wir Trockenheit, indem wir den Boden mit einem transparenten Regenschutz-Dach abdecken, das etwa 35 % der Niederschläge abfängt. Dies entspricht einer Trockenheit, wie sie einmal alle 100 Jahre vorkommt. Die anderen sechs Parzellen sind ungeschützt und dienen als Kontrollflächen. Unser Augenmerk gilt den Veränderungen, die nur unter simulierter Trockenheit auftreten, nicht jedoch auf den Kontrollflächen.

Kein Unterschlupf: Hier wird Trockenheit simuliert, um die Waldentwicklung zu beobachten.
Die ungeschützten Parzellen dienen als Kontrollflächen für die simulierte Trockenheit.

Welche Erkenntnisse erhoffst du dir vom Experiment?

Ein vertieftes Verständnis der einzelnen und kombinierten Wechselwirkungen von Baumkronenveränderungen und Trockenheit auf die Vielfalt und das Wachstum der Waldpflanzen.

Welche praxisrelevanten Erkenntnisse könnte das Experiment für die Waldbewirtschaftung liefern?

Das lässt sich im Moment noch nicht sicher sagen. Denkbar ist aber, dass das Experiment wichtige Hinweise liefert, um die Folgen forstlicher Eingriffe für die Waldverjüngung im Klimawandel besser abzuschätzen. Das könnte in der Praxis zum Beispiel bedeuten, dass man künftig bei der Durchforstung bewusst mehr Baumkronen stehen lässt, um das Mikroklima am Boden feuchter zu halten.

Wann ist mit ersten Ergebnissen zu rechnen?

Das Experiment läuft für mindestens drei Jahre, wobei erste Ergebnisse im Jahr 2027 zu erwarten sind.

Eigenes Forschungsprojekt lancieren

Als offene Plattform bietet das Waldlabor engagierten Organisationen Raum und Unterstützung für eigene Forschungsprojekte rund um den Wald. Bringen auch Sie sich mit Ihren Ideen, Ihren Fragestellungen und Ihrem Fachwissen ein.

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Quellenangaben

Projekt-Website der Universität Gent: https://canopychange.ugent.be

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